Mit dieser Aufforderung von Odysseus an seine Männer (Dante, Hölle, 26. Gesang, Verse 119-120), möchten wir unser Publikum darüber informieren, dass die Webseite Dantepoliglotta, die als einzige den Übersetzungen der Göttlichen Komödie in sämtliche Sprachen und Dialekte gewidmet ist, ein neues Projekt in Angriff genommen hat, das sich mit den Menschenrechten und ihrem Schutze beschäftigt.  Dies geschieht in der Absicht, Menschen zu Worte kommen zu lassen, die von Menschenrechts- verletzungen  persönlich betroffen sind durch Personen, die sich hartnäckig weigern, “nach Tugend und nach Wissen zu streben”.  Die Gäste unserer “Ecke für die Menschenrechte” werden gebeten, in ihrer eigenen Sprache einige Verse von Dante vorzulesen, die irgendwie einen Zusammenhang mit ihrer persönlichen Geschichte haben könnten; und diese Geschichte wird dann ihrerseits in einer eigenen  Webseite erzählt und kommentiert mit Ausführungen über die jeweiligen  besonderen  Menschenrechtsverletzungen in dem betreffenden  Fall.

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Der Begriff “Tugend” kommt in Dantes Werken sehr oft vor.  Im  “Convivio”, einem Lehrstück in Prosa, nimmt der Dichter verschiedene philosophische Themen in Angriff und kommt zu dem Schluss, dass der “Seelenadel” kein Privileg einer bestimmten Herkunft sei, sondern eine individuelle Gabe, ein “Same des Glücks”, den Gott in die Seelen pflanzt, die bereit sind, ihn aufzunehmen.  Dante führt weiter aus, dass die Früchte des Seelenadels eben diese “moralischen und geistigen Tugenden” sind und weist mit folgenden Worten  insbesondere auf die vier Kardinaltugenden  hin (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung):

Convivio, Buch IV, XXII, 10-11
«In Wirklichkeit benutzen wir unseren Geist auf zweifache Weise, d.h. sowohl  für den praktischen  Gebrauch als auch spekulativ […]. Der praktische Gebrauch besteht darin, dass wir in unserem täglichen Leben tugendhaft handeln, d.h. ehrlich: mit Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit; der spekulative Gebrauch besteht darin, dass wir nicht materiell für uns selbst handeln, sondern uns auf die Werke Gottes und der Natur beziehen».

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Diese Betrachtungen des “Convivio” von Dante über den “Seelenadel”, über die moralischen und geistigen Tugenden und schließlich über die Kardinaltugenden (die übrigens auf Platon zurückgehen) erscheinen uns als eine Art von weit zurückliegender Vorwegnahme der  viel späteren (und immer noch ungenügenden) Bewusstwerdung  im Hinblick auf die Menschenrechte und ihren Schutz. Zum Abschluss dieser Ankündigung des neuen Projekts von Dantepoliglotta  “Menschenrechte”  reproduzieren  wir  vier berühmte, mittelalterliche  Basreliefs,  die eben diese vier Kardinaltugenden darstellen.[1]


[1] Es handelt sich dabei um Basreliefs aus dem 13. Jahrhundert auf dem Marmorsarkophag von Papst Klemens II. (1005-1047) aus Niedersachsen, vormals Bischof der deutschen Stadt Bamberg. Der Sarkophag befindet sich in der romanischen Kathedrale dieser Stadt.

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