Dante war fasziniert von der Vielfalt der Sprachen. Er spielte auch gern mit den Sprachen und den Dialekten, und so finden wir in der Göttlichen Komödie zwei Beispiele für von ihm selbst erfundene Sprachen, das Idiom von Pluto (pape satàn pape satàn aleppe) und das von Nimrod, dem König von Babel, der den berühmten Turm gegen den Willen Gottes erbaut hatte und der, sobald er Dante in seinem Kreis der Hölle ankommen sah, ihm eine wütende, drohen- de und unverständliche Schmähung entgegenschleuderte: „raphèl maì amecche zabì almi!“.

 

Es ist verständlich, dass Nimrod nicht gerade bei guter Laune war.

 

Zeichnung von Gustave Doré: König Nimrod von Babel, der den berühmten Turm gegen den Willen Gottes erbaut hatte

 

Dort, im letzten Kreis der Hölle, musste er den unauslöschlichen Zorn des Allmächtigen abbüssen, und warum? Wegen dieses verflixten Turmes! Und damit nicht genug, alle gaben ihm nun die Schuld für diese Sprachverwirrung.

 

Aber wir von Dantepoliglotta wollen für Nimrod eine Lanze brechen. Denn die Sprach- verwirrung – mal angenommen, dass wirklich er sie verursacht hat – bringt nicht nur Nachteile mit sich, sondern auch enorme Vorteile, nämlich einen großen kulturellen Reichtum. Jede Sprache hat eine eigene Musikalität, eigene künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten und ihre eigene Literatur. Und jede Literatur, im Grossen wie im Kleinen, hat die Möglichkeit, sich in der enormen Anzahl der vorhandenen Sprachen zu vervielfältigen.

 

Die Göttliche Komödie hat eine wahrhaft erstaunliche Vervielfältigung erfahren. Die Seite Dantepoliglotta verfügt über circa zweihundert Ausgaben von Übersetzungen der Göttlichen Komödie in sechzig verschiedenen Sprachen und Dialekten und hat es sich zum Ziel gesetzt, Dantes Universalität zu würdigen, indem sie dem Publikum im Netz diesen kulturellen Reich-tum nahebringt. Zur Freude derer, die die Göttliche Komödie verehren, derer, die die Sprachen und Dialekte lieben und zum Trost von König Nimrod von Babel.

Giuliano Turone
Verwalter von Dantepoliglotta

 

*Dantepoliglotta existiert seit Oktober 2012 und möchte sich kontinuierlich weiterentwickeln. Die schon vorhandenen sowie die in Zukunft dazukommenden Ausgaben von Dantes Werk werden nach und nach im Netz vorgestellt, mindestens mit der Titelseite und einer oder zweit weiteren Seiten. Von den bebilderten Ausgaben werden auch eine oder zwei Illustrationen eingegeben. Außerdem werden hier und da Erläuterungen eingefügt sowie Interessantes oder Merkwürdiges und verschiedene Nachlesen zu Geschichte, Mythologie, Sprachwissenschaft, Literatur und Kunst. Zu Anfang aber beginnen wir – ça va sans dire – mit dem Gesang der Hölle.